Schließung Neff-Werk

Pressemitteilung zur angekündigten Schließung des Neff-Werks Bretten durch die BSH-Konzernleitung

Die Nachricht von der geplanten Schließung des Neff-Werks hat uns tief getroffen. Was hier auf dem Spiel steht, ist weit mehr als ein Produktionsstandort – es sind Existenzen, Lebensentwürfe und ein Stück Brettener Identität. Die Schließung ist in ihren Auswirkungen noch kaum abschätzbar. Sie wird unsere Stadt auf den verschiedensten Ebenen hart treffen. Seit Generationen ist Neff für viele Menschen in Bretten und der Region nicht nur ein Arbeitgeber, sondern Teil ihres Lebens. Hier wurden Karrieren begonnen, Familien gegründet, Gemeinschaft erlebt. Die Vorstellung, dass diese Türen sich bald für immer schließen sollen, ist für viele ein Schock.

Am härtesten trifft es die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die über Jahre, oft Jahrzehnte, mit Leidenschaft und Stolz für Neff gearbeitet haben. Im besten Fall müssen sie Arbeitsplatzwechsel und weitere Wege in Kauf nehmen. Es werden jedoch zahlreiche bisherige Neff-Beschäftigte zunächst ohne naheliegende Perspektive bleiben. Ein Arbeitsplatz ist mehr als nur Einkommen – er gibt Halt, Sinn und Zugehörigkeit. Das lässt sich durch keine Abfindung aufwiegen, auch wenn diese eine unmittelbare Notlage verhindert. Warum die BSH-Konzernleitung auf die Absatzflaute der weißen Ware nicht mit Kurzarbeit in Bretten reagiert hat, die viele Spielräume bietet, bleibt unverständlich – vor allem vor dem Hintergrund, dass sich die Geschäfte 2024 wieder erholten (siehe Handelsblatt). Kurzarbeit gibt es dagegen in Traunstein. Auch in Bretten wird mit der Schließung des Neff-Werks also die „harte Linie“ sichtbar, die Bosch beim Stellenabbau andernorts bereits an den Tag legte.

Doch die Auswirkungen gehen weit über die Werkstore hinaus. Die Instandhaltung des Werks wird von zahlreichen Handwerks- und Dienstleistungsbetrieben aus unserem Raum getragen. Ihre Aufträge fallen weg, was Auswirkungen auf weitere Arbeitsplätze hat.

Schließlich fehlen der Stadt Bretten künftig Gewerbesteuereinnahmen in einer schwierigen Zeit. Auf der kommunalen Ebene können wir kaum auf die Erhaltung der Arbeitsplätze einwirken. Wir erwarten, dass Oberbürgermeister Morast umgehend das Gespräche mit der BSH-Konzernleitung führt – nicht als reine Formsache, sondern als klares Signal: Bretten steht zu Neff. (BNN vom 11. Oktober)

Zugleich müssen wir jetzt nach vorne denken. Jetzt muss es für die Stadt Bretten vor allem darum gehen, künftig die Kontrolle über das Werksgelände zu gewinnen – als Chance für eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung und neue Perspektiven. Instrumente dafür gibt es. Es darf nicht passieren, dass irgendwelche Finanzinvestoren sich der Fläche bemächtigen. Wie man das anstellt, muss in den nächsten Wochen und Monaten intensiv beraten werden. Die Schließung des Neff-Werks ist ein tiefer Einschnitt für unsere Stadt. Aber sie kann auch der Beginn einer neuen, solidarischen und zukunftsorientierten Entwicklung sein – wenn wir jetzt zusammenstehen.

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