Gemeinsame Stellungnahme des Gemeinderats zur Gartenschau
Liebe Bürgerinnen und Bürger,
es sind keine leichten Tage, in denen wir heute zusammenkommen. Denn wir alle wissen: Eine Gartenschau absagen zu müssen, ist keine Entscheidung, die man leicht trifft. Aber es ist eine Entscheidung, die getroffen werden muss – aus Verantwortung, aus Klarheit, aus Weitblick.
Dass wir als Gemeinderat heute mit einer gemeinsamen Erklärung vor Sie treten, ist ein Novum – und zugleich ein starkes Zeichen. Es zeigt: Wir sprechen in dieser zentralen Frage mit einer Stimme. Nicht, weil wir immer einer Meinung sind, sondern weil uns etwas verbindet, das größer ist als parteipolitische Unterschiede – die Verantwortung für unsere Stadt.
Die Gartenschau war über viele Jahre ein ambitioniertes Projekt. Viele Ideen, Hoffnungen, Pläne waren damit verknüpft. Sehr viel Geld und sehr viel Zeit wurden bereits in die Planungen investiert. Nach bestem Wissen und Gewissen arbeiteten wir Gemeinderätinnen und Gemeinderäte fünf Jahre lang an diesem vielversprechenden Vorhaben – immer auf der Grundlage von Fakten, Plänen und Berechnungen, die uns seitens der Verwaltung vorgelegt wurden.
Doch mit dem Wegfall des Wertheimer-Areals ist das Konzept in eine Schieflage geraten – und hat sein Herzstück verloren. Was blieb, ist ein Flickenteppich: Einzelmaßnahmen ohne verbindende Idee, ohne räumliche und gestalterische Mitte. Und das bei stetig steigenden Kosten und begrenzten finanziellen Spielräumen.
In dieser Lage die Reißleine zu ziehen, ist kein Rückschritt – sondern ein Schritt der Vernunft.
Dieser Schritt wird bei einem Teil der Bevölkerung Enttäuschung auslösen – und ja: Es fällt uns nicht leicht, ihn mitzutragen.
Wir sind uns bewusst, dass mit dem Verzicht auf die Gartenschau auch ein Sommer mit zahlreichen kulturellen Veranstaltungen, vielfältigen Präsentationen unserer Vereine und Organisationen sowie lebendigem Ehrenamt verloren geht. Auch die Gastronomie, der Handel, das Handwerk und viele Gewerbebetriebe hätten von der Gartenschau profitiert. Diese Chancen wollen wir nicht kleinreden.
Gleichzeitig müssen wir realistisch sein: Ein solch großes Projekt birgt erhebliche finanzielle Risiken wie z.B. Steuer- und Gebührenerhöhungen, Streichung von Freiwilligkeitsleistungen etc.. Steigende Kosten und Unsicherheiten hätten am Ende dazu führen können, dass nicht nur diese Chancen verloren gehen, sondern auch wichtige städtische Ressourcen überfordert werden – mit negativen Folgen für alle Bereiche unserer Stadtgesellschaft. Dieser verantwortungsbewusste Abwägungsprozess ist der Grund für unsere Entscheidung, die Gartenschau abzusagen und einen neuen, nachhaltigen Weg einzuschlagen.
Aber wir tun es mehrheitlich – nicht, weil wir aufgeben wollen, sondern weil wir gestalten wollen. Denn Stadtentwicklung darf mit der Aufgabe der Gartenschau nicht enden. Im Gegenteil: Wir sagen heute ganz bewusst – wir wollen Bretten weiterentwickeln. Mit dem, was wir aus der Gartenschauplanung (Plan A) an Wertvollem gewonnen haben: der Rahmenplanung.
Sie bleibt für uns eine solide Arbeitsgrundlage – und hoffentlich kein Wunschdenken. Sie zeigt, was möglich ist.
An dieser Stelle möchten wir allen danken, die in den vergangenen Jahren mit viel Engagement, Kreativität und Fachwissen an der Idee der Gartenschau mitgewirkt haben – in der Verwaltung, in den Planungsbüros, in Bürgerschaft und Gemeinderat. Ihre Arbeit war nicht vergeblich – sie bildet die Grundlage für das, was nun entstehen kann, nämlich:
· Neue Qualitäten in der Sporgasse samt angrenzendem Stadtpark
· Mehr grün-blaue Aufenthaltsqualität in der Withumanlage
· Perspektiven für das Norma-Areal
· Grüne Freiräume entlang von Weißach, Salzach und Saalbach
· Eine zukunftsfähige Verkehrsplanung
Impulse, die wir nun Schritt für Schritt – im Rahmen unserer Möglichkeiten – realisieren wollen. Dies unterstreichen wir auch mit einer Änderung des Beschlussvorschlags in Punkt 5, in dem die Bachläufe explizit benannt werden. Dabei denken wir nicht nur an die Innenstadt: Unsere neun Stadtteile gehören ebenso zu einer ganzheitlichen Stadtentwicklung. Auch sie dürfen nicht aus dem Blick geraten.
Wichtig ist uns, dass wir diesen neuen Weg mit Ihnen, liebe Bürgerinnen und Bürger, gemeinsam gehen. Sie sollen nicht nur informiert, sondern aktiv beteiligt werden. Wir wollen zuhören, diskutieren, weiterdenken – gemeinsam mit Ihnen. Denn es ist Ihre Stadt. Unsere Stadt.
Der Verzicht auf die Gartenschau ist für die einen eine klare Entscheidung für finanzielle Vernunft, für andere eine verpasste Chance auf punktgenaue Stadtentwicklung. Dass wir heute gemeinsam eine Stellungnahme abgeben zeigt: Wir schauen nicht zurück, wir schauen nach vorn. Nicht resignierend – sondern entschlossen. Nicht im Streit – sondern in Verantwortung. Verantwortung bedeutet auch, in einer demokratischen Ratsversammlung wie der unseren – dass jede*r für sich entscheidet, ob er oder sie dem Beschluss „Zuschlag für die Gartenschau 2031 zurückzugeben“ zustimmt, sich enthält oder ihn ablehnt.
Was bleibt, ist unser Wille, Bretten weiter voranzubringen. Was sich mit dem Verzicht ändert, ist der Weg dorthin. Und diesen Weg wollen wir jetzt gehen – gemeinsam, zielstrebig, verantwortungsbewusst.
Thomas Rebel
Fraktionssprecher ‚Freie Wähler Vereinigung Bretten e.V.‘
Stadtrat Bretten