Grünen-Bundesvorsitzende Franziska Brantner und Landtagskandidat Pascal Haggenmüller besuchen die Firmen Seeburger und Neff.
Beitrag Brettener Nachrichten vom 22. Januar 2026
Bretten. „Spannend“, „beeindruckend“, „coole Sache“: Franziska Brantner spart nicht mit lobenden Worten, als sie am Mittwoch in Bretten bei der Firma Seeburger zu Gast ist und erfährt, welche Rolle das Softwareunternehmen aus der Melanchthonstadt auf dem Weltmarkt spielt. Die Grünen-Bundesvorsitzende ist gekommen, um ihrem Parteikollegen Pascal Haggenmüller im Wahlkampf Schützenhilfe zu leisten. Haggenmüller, der in Bretten geboren wurde und in Oberderdingen aufgewachsen ist, hofft darauf, bei der Landtagswahl am 8. März für den Wahlkreis Bretten ins Landesparlament gewählt zu werden. Seit 2021 ist er Landesvorsitzender der Grünen in Baden-Württemberg.
Von Axel Haas und Martin Kuntz, beide Vorstandsmitglieder der Seeburger AG, erfahren Haggenmüller und Brantner an diesem Tag, wie aus einem Garagen-Start-up im Brettener Wohngebiet ein global agierender Softwaredienstleister wurde. Mehr als 14.000 Unternehmen weltweit nutzen laut Haas und Kuntz die Software der Firma Seeburger, darunter große Player wie Daimler oder Volkswagen, der Logistiker Maersk, die Kosmetikfirma Douglas oder die Pastaproduzenten von Barilla.
Im „Tecspaze“, der Digitalwerkstatt der Firma Seeburger lernen Kinder und Jugendliche für die Zukunft.
155 Millionen Euro Umsatz hat das Unternehmen 2024 gemacht, erklärt Haas. Bis zum Jahr 2030 will man die Summe auf 250 Millionen steigern. In der zunehmenden Digitalisierung und der Entwicklung im Bereich Künstliche Intelligenz sieht Seeburger große Wachstumschancen. 1.200 Mitarbeiter zählt das Unternehmen weltweit, davon sind 520 am Standort Bretten angestellt. Eine Besonderheit gibt es in Bretten: In dem Gebäude der Seeburger AG ist auch eine Digitalwerkstatt untergebracht, in der Kinder und Jugendliche spielerisch an die digitale Welt herangeführt werden. Der Nachwuchs, den die Firma irgendwann braucht, lernt also direkt nebenan. „Tecspaze“ nennt sich die Digitalwerkstatt, die auf Initiative der Familie Seeburger gegründet wurde, hinter der aber eine eigenständige gemeinnützige GmbH steht. Bei einem Rundgang können sich Franziska Brantner und Pascal Haggenmüller die Räume anschauen, in denen Kinder lernen, wie man mit einem 3D-Drucker Schmuckstücke herstellt, wie man programmiert oder Künstliche Intelligenz anwendet. Als Andenken gibt es für die Bundesvorsitzende der Grünen am Ende ein „Brettener Hundle“ aus dem 3D-Drucker.

Es ist ein freudiger Abschluss des Besuchs der Grünen-Politikerin in Bretten, der dennoch einen bitteren Beigeschmack hinterlässt. Denn bevor Brantner und Haggenmüller das aufstrebende Unternehmen Seeburger kennenlernen, haben sie sich mit dem Betriebsrat der Neff GmbH getroffen, der 2028 die Schließung droht.
„Wenn Neff wegbricht, löst das eine Kaskade aus in der ganzen Region.“ (Pascal Haggenmüller)
Eigentlich sollte das Treffen auf dem Neff-Betriebsgelände stattfinden, doch auf Wunsch der Unternehmensführung von Bosch-Siemens-Hausgeräte (BSH), dem Mutterkonzern von Neff, soll es keine Wahlkampftermine auf dem Werksgelände geben. Deshalb trafen sich die Grünen-Politiker mit den Neff-Vertretern auf neutralem Terrain im Restaurant Grünstolz in Bretten. Sie habe Verständnis dafür, dass Firmen ihr Gelände nicht als Wahlkampfbühne zur Verfügung stellen wollen, sagte Franziska Brantner bei dem Termin. Dennoch sei es ihr wichtig gewesen, ins Gespräch mit Neff zu kommen.
Für die Pläne der BSH, den Standort in Bretten 2028 zu schließen, zeigte sie wenig Verständnis. Zumal ihr der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Thomas Rudolph zuvor erklärt hatte, dass das Werk Gewinne erwirtschaftet und trotzdem geschlossen werden soll. Weil im Ausland eben noch ein wenig günstiger produziert werden kann als in Deutschland.
Dass Neff kein Einzelfall ist, weiß Brantner. Neben zu viel Bürokratie seien die hohen Lohnnebenkosten in Deutschland ein Problem für Unternehmen. „Die Regierung muss dafür sorgen, dass sie nicht weiter steigen“, so Brantner. Mit der Rentenreform habe sie gerade das Gegenteil bewirkt. Auch den zu lockeren Umgang mit dem mächtigen Konkurrenten China sieht Brantner als Problem. Durch strengere Regulierungen könne Europa seinen Markt besser schützen.
Pascal Haggenmüller sieht im Fall Neff auch politischen Druck als ein Mittel, um gegen die drohende Standortschließung vorzugehen. Am Standort Bretten hingen nicht nur die rund 1.000 Arbeitsplätze bei der Firma Neff, sondern noch viele weitere bei Zulieferern, Handwerksbetrieben oder der Behindertenwerkstatt der Lebenshilfe. „Wenn Neff wegbricht, löst das eine Kaskade aus in der ganzen Region.“